Attraktives Erwerbsmodell: Immer mehr Pflegekräfte entscheiden sich für die Zeitarbeit

30.06.2017

Glückliche Pflegekraft: Immer mehr Pflegekräfte fühlen sich in der Zeitarbeit wohl

In der Pflegebranche herrscht akuter Fachkräftemangel. Sowohl in der ambulanten, als auch in der stationären Pflege klagen die Pflegekräfte über hohe Arbeitsbelastung, Überstunden, Nachtdienste und Extra-Schichten. Viele Mitarbeiter arbeiten hart am Limit. Die Arbeitsbedingungen sowie die Bezahlung sind hingegen oft schlecht. Immer mehr Pflegekräfte entscheiden sich daher aufgrund besserer Arbeitsbedingungen für die Zeitarbeit. Brigitte Horn von der Gewerkschaft ver.di sieht darin laut NDR einen „lauten Hilferuf nach Planbarkeit, geregeltem Leben und Berücksichtigung der eigenen Belange“.

Sebastian Lazay vom Bundesarbeitgeberverband der Personaldienstleister (BAP) kann die wachsende Zahl von Pflegekräften in der Zeitarbeit nur bestätigen: „Grund dafür sind die besseren Arbeitsbedingungen in der Zeitarbeit, denn unsere Mitarbeiter können ihre Dienstpläne zu einem großen Teil selbst mitbestimmen und werden dadurch psychisch und physisch entlastet. Die Planbarkeit durch flexible Arbeitszeitmodelle schafft ein geregeltes Arbeits- und Privatleben, da sich die Arbeitsbelastung durch spontane Mehrfach- und Wochenendschichten verringert. Gleichzeitig gewährt ihnen die Zeitarbeit die Sicherheit, die jeder andere sozialversicherungspflichtige Job auch bietet. Vom ersten Beschäftigungstag an haben Zeitarbeitnehmer Anspruch auf ihren tarifvertraglich festgeschriebenen Lohn sowie auf Renten-, Kranken-, Arbeitslosen-, Pflege- und Unfallversicherung und werden bei Urlaub, Krankheit und in Nichteinsatzzeiten weiter entlohnt. Das macht Zeitarbeit gerade auch für Pflegekräfte so attraktiv.“

Johanna Knüppel vom einflussreichen Deutschen Berufsverband für Pflegeberufe (DBfK) sieht das ähnlich. Der Schritt in die Leiharbeit sei für die betreffende Krankenpflegekraft nicht unbedingt eine berufliche Verschlechterung, betonte sie gegenüber der „Ärzte Zeitung“. Ein geregelter Arbeitsplan könne dazu beitragen, nebenbei ein Studium zu absolvieren oder sich ein weiteres berufliches Standbein aufzubauen.

Der Zuwachs von Zeitarbeitnehmern in der Pflegebranche bestätige nach Ansicht von Sebastian Lazay einmal mehr, dass die Zeitarbeit nicht nur ein wichtiges Instrument für mehr Flexibilität in der deutschen Wirtschaft sei, sondern auch ein attraktives Erwerbsmodell für Arbeitnehmer. Von einem „Hilferuf“ der Pflegekräfte, wie es ver.di sieht, könne daher laut Lazay nicht die Rede sein.

Auch Erhard Services erhielt in den letzten Monaten verstärkt Anfragen von Pflegekräften, die sich für einen Wechsel in die Zeitarbeit interessierten.

Quellen:

BAP-Pressemitteilung zum Thema Pflegekräfte in der Zeitarbeit

Erhard Services