Azubi händeringend gesucht: Deutschland fehlt der Nachwuchs

16.08.2017

Praktische Ausbildung vom Lehrmeister an einer Maschine

Der klassische Azubi mit möglichst hoher Qualifikation hat für viele Firmen mittlerweile Seltenheitswert. Um trotzdem ihre Ausbildungsplätze zu besetzen, richten sie ihren Blick zunehmend auf andere Kandidaten und geben Flüchtlingen, Lernschwächeren und Studienabbrechern eine Chance. Denn ohne Azubis gehen der deutschen Wirtschaft mittelfristig die Fachkräfte aus. Eine tolle Chance für die rund 81.000 Jugendlichen, die bislang jährlich keinen Ausbildungsplatz fanden.

Ladenhüter Ausbildungsplatz

Während sich Unis und Fachhochschulen vor Studienanfängern häufig nicht retten können, herrscht auf dem Azubi-Markt gähnende Leere. Die Zahl der Jugendlichen, die eine Lehre absolvieren möchten, geht gerade auch im ländlichen Raum seit Jahren kontinuierlich zurück. Der Rückgang ist alarmierend. Innerhalb von sieben Jahren hat sich der Azubi-Anteil an den Gesamtbeschäftigten mehr als halbiert.
Viele ausbildende Firmen blicken daher in eine ungewisse Zukunft und suchen händeringend nach Lösungen für ihren bedenklichen Nachwuchsmangel. Fast jeder dritte Betrieb in Deutschland findet mittlerweile keine Azubis mehr, um seine angebotenen Lehrstellen zu besetzen. Die Konsequenz: Die Zahl der Ausbildungsbetriebe sinkt.

Irrweg Studium?

Einen Grund für das schwindende Interesse junger Menschen an einer klassischen Ausbildung sieht der Deutsche Industrie- und Handelskammertag darin, dass Jugendliche heute bereits früh in ihrem Leben mitentscheiden und aus einer Vielzahl von Optionen wählen könnten. Sie entschieden sich daher für ein Studium, in der Hoffnung, sich beruflich besser entfalten und gleichzeitig besser verdienen zu können. Für nicht wenige endet dieser Pfad allerdings auf einem Holzweg. Nahezu jeder Dritte bricht sein Studium wieder ab und landet so um eine Erfahrung reicher wieder auf dem Ausbildungsmarkt.

Auswege aus der Azubi-Misere

Not macht ja bekanntlich erfinderisch und so entdecken Firmen mit Nachwuchssorgen die vorhandenen Potenziale von Flüchtlingen, Lernschwächeren und Studienabbrechern für sich. Es müssen schon längst nicht mehr nur die Schulabgänger mit den besten Noten sein.
Die Zahlen sprechen für sich:

  • Allein 2016 begannen rund 60.000 Studienabbrecher eine Ausbildung.
  • Rund 80 Prozent aller Unternehmen bieten mittlerweile auch Lernschwächeren eine Ausbildung an.
  • Sieben Prozent der IHK-Betriebe sind bereit, Flüchtlinge auszubilden. Damit könnten rund 15.000 Flüchtlinge in einem IHK-Betrieb eine Ausbildung absolvieren.

Bessere Ausbildungsreife in der Schule

Um die Situation auf dem Ausbildungsmarkt nachhaltig zu entspannen, sehen die Betriebe auch die Schulen in der Pflicht. Ihre Forderung: Die schulische Berufsorientierung muss sich verbessern, damit Schulabsolventen sich gleich für eine Ausbildung entscheiden und nicht erst ein Studium wählen, dass sie dann doch abbrechen. Gerade an Gymnasien sollte neben der akademischen Bildung auch ein stärkerer Fokus auf die berufliche Ausbildung gelegt werden. Die Entwertung der klassischen Ausbildungsberufe, wie sie der Arbeitsmarktforscher Stefan Sell gerade für die weiterführenden Schulen diagnostiziert, führe sonst zu erheblichen Problemen für die deutsche Wirtschaft.
Gleichzeitig müssten sich die Schulen nach Ansicht der Unternehmen stärker um die Ausbildungsreife der Schüler bemühen. Jeder zehnte Betrieb bemängelt aktuell die Ausbildungsreife der angehenden Azubis und die meist unklaren Berufsvorstellungen der jungen Menschen. Kritisiert werden zudem die Sprach- und Mathefähigkeiten der Berufsanfänger sowie deren Bereitschaft, sich als Azubi auch wirklich mal ins Zeug zu legen.

Schlechte Ausbildungsqualität verbessern

Gewerkschaften wie der DGB geben allerdings auch den Unternehmen eine Mitschuld an der derzeitigen Ausbildungsmisere. Gerade in den Branchen Gastronomie, Hotel und Lebensmittelhandwerk sei die schlechte Ausbildungsqualität ein wesentlicher Grund dafür, dass viele Azubis ihre Ausbildung wieder abbrechen. Die Folge: Viele offene Stellen.

Zeitarbeit als Einstieg – Unser Tipp:

Gerade Studienabbrechern und Jobsuchenden mit Migrationshintergrund bietet auch die Zeitarbeit gute Möglichkeiten, um potenzielle Ausbildungsberufe kennenzulernen und einen einfachen Einstieg ins Berufsleben zu finden. Wir informieren Sie gerne!

Unsere Quellen und mehr Informationen

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