Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Deutschland: Der Fortschrittsindex 2017

26.07.2017

Vater spielt mit Sohn. Der Fortschrittsindex 2017 zeigt: Jeder dritte Vater nimmt mittlerweile Elterngeldmonate in Anspruch.

Die Arbeitswelt in Deutschland wird zunehmend familienfreundlicher dank der Zusammenarbeit von Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften. Das zeigt der unlängst vorgestellte Fortschrittsindex 2017 des Familienministeriums. Wir haben uns den Fortschrittsindex für Sie genauer angeschaut.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf 2017: Die Fakten

  • Mehr Geburten: Die Geburtenrate in Deutschland – also die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau – stieg von 1,35 im Jahr 2004 auf 1,05 im Jahr 2015.
  • Bessere Betreuung: Die Betreuungsquote von Kindern unter drei Jahren hat sich seit 2006 mehr als verdoppelt – von rund 14 Prozent auf fast 33 Prozent. Der Ausbau steht weiter im Fokus – besonders Angebote für Kinder zwischen einem und zwei Jahren.
  • Mehr berufstätige Mütter: Deutlich mehr Mütter sind berufstätig als noch vor zehn Jahren. 2006 waren 41 Prozent der Frauen mit Kindern zwischen zwei und drei Jahren erwerbstätig. Dieser Anteil stieg bis 2015 dank der Unterstützung durch die neuen, familienorientierten Väter auf 58 Prozent.
  • Mehr Väter in Elternzeit: Jeder dritte Vater nimmt mittlerweile Elterngeldmonate in Anspruch. In manchen Bundesländern ist es sogar fast jeder zweite Vater. Gerade junge Väter zwischen 18 und 29 Jahren wünschen sich eine Arbeitszeitreduktion für mehr familiäres Engagement.
  • Immer mehr Unternehmen setzen auf Familienfreundlichkeit: Die Bedeutung von Familienfreundlichkeit für Unternehmen stieg von 47 Prozent im Jahr 2003 auf 77 Prozent im Jahr 2016. Jedes vierte Unternehmen plant mittlerweile Maßnahmen für eine flexiblere Gestaltung der Arbeitszeit. Statt klassischer Teilzeit werden heute individuelle Maßnahmen wie flexible Arbeitszeit, flexible Führungsmodelle oder mobile Arbeitsorte genutzt.
  • Mehr Elterngeld-Bezieher: Die Zahl der Bezieher von Elterngeld Plus stieg von 13,8 Prozent im 3. Quartal 2015 auf 22,7 Prozent im 4. Quartal 2016.
  • Bessere Vereinbarkeit von Pflege und Beruf: Zwischen 2001 und 2012 stieg die Erwerbsquote der unter 65-jährigen Pflegenden von 52 auf 65 Prozent. Mit Maßnahmen wie Pflegeunterstützungsgeld und einem Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit sowie zusätzlichen Angeboten der Arbeitgeber wie flexible Arbeitszeiten und Auszeiten wird die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf weiter gefördert.

Memorandum über die neue Vereinbarkeit

Das Bundesfamilienministerium verabschiedete 2015 gemeinsam mit den Spitzenverbänden der deutschen Wirtschaft sowie dem Deutschen Gewerkschaftsbund ein Memorandum über die neue Vereinbarkeit von Familie und Arbeitswelt. Darin verständigten sich die Akteure auf gemeinsame Ziele, um das Familienbewusstsein in der Arbeitswelt zu fördern. Denn familienbewusste Arbeitsbedingungen sind eine wichtige Bedingung für eine nachhaltig erfolgreiche wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.
Der Fortschrittsindex 2017 zeigt nun Erfolge, Entwicklungen und Aktivitäten der letzten Jahre in den zentralen Handlungsfeldern dieser neuen Vereinbarkeit.

Acht von zehn Beschäftigten halten familienfreundliche Maßnahmen wie flexiblere Arbeitszeiten und -orte für wichtig, um berufliche und private Verpflichtungen zu vereinbaren. (Fortschrittsindex 2017, S.12)

Immer mehr Unternehmen für Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Vorgestellt wurde der Fortschrittsindex 2017 unlängst im Rahmen des 10. Unternehmertages „Erfolgsfaktor Familie“ von Staatssekretär Dr. Ralf Kleindiek. Er verwies im Rahmen der Präsentation auf zentrale Erfolge auf dem Weg zu mehr Familienfreundlichkeit: „Immer mehr Unternehmen setzen die NEUE Vereinbarkeit mit innovativen Konzepten in ihrem betrieblichen Alltag um, weil sie erkannt haben, dass Väter sich Zeit für ihre Kinder wünschen und Mütter nicht aufs Karriere-Abstellgleis gehören.“ Die Idee der Familienarbeitszeit, so Kleindiek weiter, sei eine gute Ergänzung, um Familien zu unterstützen, wo beide Eltern vollzeitnah arbeiten und sich beide um die Kinder kümmern möchten.

Positive Dynamik des Themas Familienfreundlichkeit

Ein Beleg für die positive Dynamik des Themas Familienfreundlichkeit ist das Unternehmensnetzwerk „Erfolgsfaktor Familie“. Es zählt mittlerweile über 6.500 Mitglieder (www.erfolgsfaktor-familie.de). Die teilnehmenden Unternehmen zeigen, dass es selbst für Arbeitsplätze mit besonderen Anforderungen an Flexibilität (z. B. Dienstreisen oder Schichtdienste) Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gibt. Schließlich haben auch die Arbeitgeber etwas von der neuen Vereinbarkeit. Weniger Zeitkonflikte, geringere Fehltage, eine stärkere Bindung der Beschäftigten an das Unternehmen sowie weniger Fluktuation sind nur einige Vorteile.
Die Erfahrungen zeigen, dass Familienfreundlichkeit im Betriebsalltag am besten gelingt, wenn Führungskräfte Vorbild sind und ihre Mitarbeiter dazu motivieren.

Für Firmen gibt es noch einiges zu tun

„Erst wenn Motive und Leitlinien von Geschäftsführungen nicht nur verkündet, sondern auch im betrieblichen Alltag gelebt werden, stellen sich positive Effekte einer gelungenen Vereinbarkeit voll ein. Im Moment klafft in immer noch zu vielen Firmen offenbar eine Lücke zwischen dem Selbstbild der Unternehmensleitung und der Wahrnehmung durch die Belegschaft.“ (Fortschrittsindex 2017, S.26)

Fortschrittsindex 2017: Weiter vielfältiger Handlungsbedarf

Auch sonst gibt es auf dem Weg zur neuen Vereinbarkeit von Familie und Beruf weiteren Handlungsbedarf vor allem bei den Betreuungsangeboten für Kinder sowie den Möglichkeiten für Eltern, individuelle Arbeitszeitmodelle zu nutzen.

  • Bei den Betreuungsangeboten für Kinder zwischen drei und sechs Jahren besteht vor allem zusätzlicher Bedarf nach erweiterten Betreuungszeiten vor 8 Uhr morgens und nach 17 Uhr am Nachmittag. Auch bei Grundschulkindern bis unter 11 Jahren sowie bei Kindern, die eine Ganztagsschule oder einen Hort besuchen, äußern die Eltern zusätzlichen Betreuungsbedarf.
  • Die Arbeitgeber sind in der Pflicht, ihre Unternehmenskultur weiter in Richtung Väterfreundlichkeit zu verändern. So verzichten immer noch viele Väter auf Elternzeit, da sie Einkommensverluste oder Nachteile im Beruf fürchten (Umfrage vom Institut für Demoskopie Allensbach aus dem Jahr 2015). Den Vätern diese Sorgen vor einem vermeintlichen Karriereknick zu nehmen, ist eine Führungsaufgabe.
  • Gleichzeitig können auch Unternehmen ihren Beitrag zum Erfolg der Kinderbetreuung leisten, indem sie z. B. betriebliche Angebote wie Betriebskitas, Belegplätze oder Zuschüsse weiter ausbauen.

Quellen und mehr Infos

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (Hrsg.): Fortschrittsindex 2017. Erfolge auf dem Weg zur NEUEN Vereinbarkeit, Berlin 2017
www.bmfsfj.de
www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/