Tattoos, Piercings, Körperschmuck im Job – das solltest du wissen

Tattoos, Piercings, Körperschmuck im Job – das solltest du wissen

In vielen Jobs stellen Tattoos oder Piercings heute kein Problem mehr dar. Die Toleranzschwelle hat sich hier in den letzten Jahren deutlich verschoben. Denn längst hat das Thema Körperschmuck seinen Sprung vom exotischen Nischendasein zum Massentrend geschafft. Jeder Zehnte in Deutschland trägt mittlerweile ein Tattoo. Gerade bei jüngeren ist der Anteil noch viel höher. Mit einem „normalen“ Tattoo oder Piercing fällst du heute in der Regel also nicht mehr auf. In manchen Berufen allerdings kann dir dein Körperschmuck – auch wenn er eigentlich deine Privatsache ist – nach wie vor Schwierigkeiten bereiten oder sogar Konflikte heraufbeschwören. Viele Arbeitgeber sind hier traditionell konservativ eingestellt. Wir sagen dir, was geht und was nicht.

Je sichtbarer, desto mehr Konfliktpotenzial

Wie ein Arbeitgeber auf deinen Körperschmuck reagiert, hängt ganz wesentlich von der Sichtbarkeit deiner Tattoos, Piercings & Co. ab. Sind sie bei normaler Kleidung nicht sichtbar, wird sich kein Chef für deinen Körperschmuck interessieren. Ganz anders kann die Reaktion auf auffällige, gut sichtbare Tattoos am Unterarm, an den Händen, am Hals oder im Gesicht ausfallen. Immerhin 18 Prozent der Deutschen glauben, dass sie mit sichtbaren Tattoos keinen Job bekommen.

Körperschmuck im Job: Erst reden, dann stechen

Willst du dir ein sichtbares Tattoo neu stechen lassen, dann mach dich vorher unbedingt schlau, ob dein jetziger und auch potenzielle zukünftige Arbeitgeber in deinem Beruf sichtbare Tattoos akzeptieren. Verbindliche Regelungen zu Tattoos & Co. findest du z. B. in deinem Arbeitsvertrag. Ob du für deine persönliche Selbstdarstellung im Zweifelsfalle auch deinen Job riskieren würdest, musst du dann selbst entscheiden.

Je mehr Backoffice, desto freier deine Frontgestaltung

Ein einfacher Gradmesser für die Toleranz eines Arbeitgebers gegenüber Tattoos, Piercings & Co. ist die Aufgabe, die du in der Firma anstrebst. Sollst du deinen Arbeitgeber nach außer repräsentieren? Dann ist Körperschmuck ein schwieriges Thema, dass dir auch bei guter Qualifikation Jobchancen verbauen kann. Verdecken, rausnehmen ist hier angesagt. Arbeitest du hingegen ohne Kundenkontakt, dann gehen viele Arbeitgeber toleranter mit deinem Körperschmuck um, solange er der Ausübung deiner Tätigkeit nicht im Wege steht.

Dresscode oder nicht – das können Arbeitgeber von dir verlangen

In manchen Firmen gibt es einen Dresscode, in anderen nicht. Aber auch in diesen Unternehmen herrscht keine absolute Freiheit, was dein äußeres Erscheinungsbild angeht. Denn nicht alles ist erwünscht. Was geht und was nicht, solltest du in jedem Fall mit deinem Chef besprechen. Was er nicht von dir verlangen kann: Dass du generell auf Tätowierungen verzichtest oder ein bestehendes Tattoo entfernen lässt. Was er verlangen kann: Dass du z. B. während der Arbeitszeit Piercings abnimmst oder Tätowierungen verdeckst.

Jobinterview: Der richtige Zeitpunkt, um Regeln zum Körperschmuck im Job abzustimmen

Hast du Chancen auf einen neuen Job? Dann solltest du bereits im Vorstellungsgespräch abklären, wie viel Körperschmuck bei deinem zukünftigen Arbeitgeber geht und wo er Grenzen zieht. Du bist ganz klar im Vorteil, wenn du deinen Körperschmuck im Vorstellungsgespräch und auch später im Job bei Bedarf verdecken oder rausziehen kannst. So kannst du möglichen Konflikten ganz unkompliziert aus dem Weg gehen. Triff Absprachen mit deinen Chefs, wann sichtbarer Körperschmuck o. k. und wann er unangebracht ist.

Vor der Bewerbung: Leg dir eine Strategie zu!

Und auch auf dem Bewerbungsfoto solltest du je nach Wunschjob mit der Inszenierung deines Körperschmucks eher vorsichtig sein. Denn auch in Branchen, wo Piercings oder Tattoos heute keine Rolle mehr bei der Kandidatenauswahl spielen, legen viele Arbeitgeber Wert auf ein gepflegtes Erscheinungsbild. Der erste Eindruck zählt und häufig ist das Bewerbungsfoto eben der erste visuelle Eindruck von dir. Schon beim Erstellen deiner Bewerbungsfotos solltest du dir klar darüber sein, wie du mit deinem Körperschmuck umgehen möchtest. Piercings, Tattoos & Co. auf dem Bewerbungsfoto verstecken und dann im Vorstellungsgespräch offen präsentieren, das kommt nicht gut an.

Sichtbare Tattoos: In diesen Branchen und Jobs unerwünscht

Branchen, in denen du mit sichtbaren Tattoos oder Piercings zumindest in der Kundenberatung keine Zukunft hast, sind z. B. der Banken- und Finanzsektor sowie die Versicherungsbranche. Auch bei Servicejobs in der Hotel- und Gastronomiebranche, beim Verkauf im Einzelhandel sowie in der Personenbeförderung sind sichtbare Tattoos nach wie vor zumeist unerwünscht. Ähnliches gilt für Beamte und Angestellte des öffentlichen Dienstes.

Vorgaben in puncto Körperschmuck machen darüber hinaus Schulen, Kirchen und die Polizei: Wer sich dort bewerben möchte, sollte keine sichtbaren Tätowierungen tragen. Nur in Ausnahmefällen werden Bewerber mit sichtbaren Tattoos eingestellt.

Handwerk und Industrie: Piercings, Ringe contra Arbeitssicherheit

Nicht nur im Handwerk, sondern auch bei Jobs in der Industrie und Produktion können Piercings eine Gefahr für deine Arbeitssicherheit darstellen. Sie sollten während der Arbeitszeit rausgenommen werden.

Erziehung: Kinder nehmen keine Rücksicht auf deine Piercings

Ähnliche Vorgaben gibt es auch im Erziehungsbereich. Da Ohrringe oder Piercings im Gesicht in der Arbeit mit Kindern schnell zum Verletzungsrisiko für die Erzieher werden können.

Medizin und Pflege: Hygiene hat Vorrang

Im medizinischen Bereich sowie in der Pflege gelten bei Körperschmuck im Job besondere Hygienevorschriften. Hier dürfen z. B. keine Fingerringe getragen werden. Darüber hinaus geben zahlreiche Arbeitgeber in diesem Bereich ihren Mitarbeitern vor, keine Ohrringe und Piercings während der Arbeit zu tragen.

Körperschmuck und Karriere? Das passt!

Noch ein Fun Fact für euch zum Schluss: Einer der meist gepiercten Menschen der Welt kommt übrigens aus Dortmund. Er hat über 450 Metallteile (!) am Körper und ist von Kopf bis Fuß tätowiert. Er arbeitet bei einem großen deutschen Telekommunikationsunternehmen. Ausgefallener Körperschmuck und erfolgreiche Karriere passen also bei der Wahl des richtigen Berufes durchaus gut zusammen.

Unsere Quellen und mehr Informationen

www.svz.de/ratgeber/beruf-karriere/
karriere.unicum.de
www.bigkarriere.de/karrierewelt/
www.wiwo.de/erfolg/
www.welt.de
bewerbungsfoto-navigator.de